Ulla und Thorsten Wittrock

Eine besondere Reise sollte es werden, und wir wurden nicht enttäuscht. Allerdings - durch Covid 19 - zum Teil anders als erwartet.

Seit der CMT 2019 hatten wir uns mit der ausgiebigen Reise auf die Südhalbkugel beschäftigt. Nach langen Planungsgesprächen mit Frau Buschbeck von TravelEssence war irgendwann der finale Reiseablauf in trockenen Tüchern: Singapur-Neuseeland-Cook Islands-Sydney. So der Plan. Am 05.03. sollte es losgehen, aber ein neuartiger Virus machte auf sich aufmerksam. Vor allem in Asien. Daher buchten wir kurzfristig um und flogen am 07.03. direkt nach Neuseeland.

Die erste Station: Christchurch. Eine - immer noch vom Erdbeben gezeichnete - Stadt, voller Leben und toller Museen und Galerien. Der nächste Stopp in Oamaru. Natürlich besuchten wir die Pinguin-Kolonie. Und auch hier kleine Galerien, Handarbeit, besondere Geschäfte in stillgelegten Fabriken. Und eine deutsche Bäckerei! Ein großes Haus am Hang mit Blick auf Stadt und Pazifik mit einer umwerfenden Gastgeberin war unser Rückzugsort. Schönes Wetter. In Neuseeland angekommen.

Die ersten Anzeichen eines ungewöhnlichen Urlaubs: Singapore Airlines sagt unseren Rückflug von Singapur nach Frankfurt am 14. April ab. Keine Panik, weiter geht’s zur Alpaka-Farm nach Manapuri. Tolle Gastgeber (Jessie & Ray), witzige Tiere, ganz weiche Wolle und eine Doubtful-Sound Cruise. Ach ja, und dann war da noch der 80-jährige Mike, der mir in Anbetracht des fehlenden Rückflugs seinen Job als Fährmann angeboten hat. Aber soweit war es ja noch nicht, also weiter nach Central Otago. Auch hier schönstes Wetter, große Mountainbike Touren auf dem Otago Rail Trail und der superschöne Garten von Euan Mackenzie im historischen Clyde.

Während wir es uns gut gehen ließen, beschäftigte der sich ausbreitende Virus unsere Reiseberaterin und ihre Kolleginnen und Kollegen schon rund um die Uhr. Viele Flugverbindungen standen nicht mehr zur Verfügung, Grenzen wurden geschlossen und uns wurde klar, dass der Urlaub, wie wir ihn geplant hatten, so nicht fortgeführt werden konnte. Jetzt schon abbrechen? Was dann? Versuchen zurück zu kommen? Viele Fragen. Bis dahin gab es in Neuseeland 8 bestätigte Fälle der Lungenkrankheit und die Pandemie fand woanders statt. Also weiter. Natürlich mit der Zusicherung von Euan uns allzeit wieder aufzunehmen.

Während unseres Aufenthalts in Franz-Josef trafen wir schon Niederländer, Amerikaner und Deutsche, die vor denselben Problemen standen wie wir. Mittlerweile war sämtlicher Flugverkehr nach Deutschland mit Lufthansa/Singapore Airlines eingestellt worden, Neuseeland hatte seine Grenzen geschlossen, die ersten Geschäfte in Neuseeland stellten den Betrieb ein.

Jetzt galt es nach Hause zu kommen. Wir versuchten über unsere „home-base“ in Deutschland Flüge zu buchen. Keine Chance oder astronomische Preise. Derweil versuchte auch Frau Buschbeck alles Mögliche. Allerdings war eine langfristige Planung kaum noch möglich: Der soeben gebuchte Flug über L.A. wurde 5 Stunden später schon wieder gecancelt. Unser Runflug mit Airsafari über die Gletscher und den Mount Cook bleibt dennoch unvergessen.

Der nächste Stopp (ja, es ging tatsächlich noch weiter) führte uns zu Lizzi (Huskydame), und Wendy & Wayne in ‘The Steeples’ am Cape Foulwind. Das riesige Cottage, der Blick auf die tasmanische See und das ewige Meeresrauschen beruhigten unsere Nerven etwas.

Zu der Zeit war klar, dass es ein Rückholprogramm für gestrandete Deutsche geben würde. Wir hatten uns dafür schon registriert, da eine Flugbuchung über andere Kanäle nicht mehr möglich und planbar war. Wir gingen davon aus, dass die Flüge von Auckland starten würden und machten uns auf den Weg nach Norden. Praktisch auf dem Weg lag die nächste von Frau Buschbeck geplante Unterkunft: Abel Tasman Mountain Lodge. Auch hier waren wir allein, ziemlich niedergeschlagen, aber in besten Händen bei Colette.

Jetzt ging auch in Neuseeland alles ganz schnell: Level 3 und 4 = Schulschließungen innerhalb eines Tages, Restaurants und alle Geschäfte geschlossen, kompletter Lockdown innerhalb der nächsten 48 Stunden. Zeitgleich wurde von der Deutschen Botschaft mitgeteilt, dass auch Rückkehrerflüge ab Christchurch starten würden. Also gut, dann da hin. Aber vorher noch einen Tag in den Abel Tasman National Park. Wunderschöne Landschaft, aber auch hier alles geschlossen und eine bedrückende Stimmung.

Nach etlichen Telefonaten mit Frau Buschbeck von TravelEssence war klar, wo es als nächstes hingehen sollte: In die 'Peel Forest Lodge' zu Pennie & Bert in der Nähe von Geraldine, aber auch nur 120 km vom Airport entfernt. 8 Stunden Autofahrt auf menschenleeren Straßen lagen vor uns. Von einem Tag zum anderen waren fast alle Camper und sonstigen Touristen aus dem Straßenbild verschwunden. Komisch.

Dann Peel Forest Lodge. “In the middle of nowhere”, eine Blockhausvilla mit drei Schlafzimmern, Kaminzimmer, riesiger Küche und natürlich den reizenden Gastgebern. Hier konnten wir im Garten, im Haus und in den menschenleeren Wäldern bei ausgiebigen Wanderungen die von der Regierung geforderte ‘self-isolation’ betreiben. Der begeisterte Jäger Bert versorgte uns fast täglich mit Wildfleisch, Pennie steuerte das Gemüse und den Kuchen bei. Natürlich nur unter Beachtung der social-distance!

Dann begann das - durchaus angenehme - Warten auf die Rettungsaktion, verbunden mit einem Wechselbad der Gefühle: Zwischen „Geht wohl bald los“ über „ auf unbestimmte Zeit unterbrochen“ bis zu „ wird wieder aufgenommen“ war alles dabei. Nach Wiederaufnahme der Rettungsflüge sollten erst die Leute in Christchurch direkt ausgeflogen werden und dann nach und nach die Übrigen. Wir hatten Zeit und fühlten uns sicher und geborgen. Plötzlich ging wieder einmal alles ganz schnell: Wir waren auf dem ersten Flug gebucht. Montag, 06.04. um 14:45 Ihr ab Christchurch via Vancouver. So fuhren wir wieder zurück nach Christchurch, diesmal unter ganz anderen Vorzeichen als bei unserer Ankunft im März. Am Airport war alles perfekt organisiert und nach 25 Stunden nonstop im Flugzeug landeten wir in Frankfurt. Dann noch 4 Stunden im fast leeren ICE und wir waren wieder zu Hause.

Wie eingangs bereits erwähnt: Eine äußerst ungewöhnliche Reise jenseits aller Planungen, in einem großartigen Land, mit hilfsbereiten, freundlichen und total relaxten Menschen, voller Emotionen dort und hier zu Hause und eine Zeit, die wir nicht vergessen werden.

Vielen Dank daher an das Team von TravelEssence, insbesondere natürlich an Claudia Buschbeck. Und den Rest der Reise kriegen wir irgendwann auch noch zusammen hin!

Und natürlich gilt ein riesiger Dank von allen Gestrandeten dem Auswärtigen Amt und der Deutschen Botschaft Wellington. Das war einfach unglaublich, was da geleistet wurde.

Ulla und Thorsten Wittrock