Harriet und Martin

Neuseeland | Reiseerfahrung Harriet und Martin

Ein kleiner Auszug aus einem wunderschönen Reisebericht - Heute vor genau einer Woche haben wir unsere lange Reise angetreten. Und die Zeit brauchte ich auch, um wirklich anzukommen. Trotz Premium Economy Class (98 cm Platztiefe) sind die Flüge je ca. 12 Stunden lang: Berlin - München - Singapur, Singapur - Christchurch/Neuseeland/Südinsel - sind anstrengend. Hinzu kommen die verschiedenen Zeit- und Klimazonen.

Willkommen Neuseeland! Was mir als erstes am Flughafen von Christchurch auffiel, waren die barfuß laufenden Menschen. Und hochsommerliche Temperaturen herrschten nun wirklich nicht! Nach einer wiederum durchwachten Nacht bestiegen wir am Flughafen unser riesiges Auto (ein Holden aus Australien) und fuhren landeinwärts nach Windwhistle - eine gute Stunde, um sich an den Linksverkehr zu gewöhnen. Im Vergleich zu unseren Reisen nach London war diese Übung keine Herausforderung - alles sehr entspannt. Und welch freundlichen Empfang wir von Christine und Robert Koller in der Quickenberry Lodge hatten: Einladung zu Tee und Kuchen und einem Zimmer mit landestypischem Ausblick: Schafe, wohin das Auge blickt und Berge, die sich noch in Wolken versteckten. Alles sehr komfortabel! Aber das Highlight war der Gastgeber Robert, der sich als Schweizer „Sterne“-Koch erwies. Er hat ein Gemüse-Kochbuch herausgebracht und schreibt für die lokale Presse seine kulinarischen Kolumnen. Natürlich mussten wir ein Kochbuch kaufen, das Pfunde schwer ist und uns hinterher geschickt wird. Mit grosser Neugier, aber ein wenig schweren Herzens, haben wir uns nach zwei Nächten von Christine und Robert verabschieden müssen.

Das Lodge Guesthouse in Windwhistle bietet einen schönen Blick auf die umliegende Landschaft.

Dann haben wir uns weiter ins Landesinnere aufgemacht. Durch wunderschöne, menschenleere Gegenden, aber auch durch etwas langweilige landwirtschaftliche Nutzungsgebiete (das Wort kenne ich aus Sachsen) bis wir schliesslich am beeindruckenden Lake Tekapo, unserer nächsten Station, angekommen sind. Morgen werden wir einen Auto-Ausflug machen in Richtung Mont Cook, ins westlich gelegene Gletschergebiet.
Heute morgen, die Gardinen lüpfend, strahlte der Himmel in seinem schönsten Blau! Nach einem kurzen Frühstück haben wir uns aufgemacht Richtung Mount Cook - im westlichen Gletschergebiet. Der nächste See neben dem LakeTekapo ist der Lake Pukaki, an dessen Ende man wunderbare Sicht auf den Mount Cook, von den Maori Aoraki genannt, hat. Auf der Karte sieht der Tripp wie ein Katzensprung aus, dauerte dann doch ca.1,5 Stunden. Aber welch unglaubliche Szenerie uns begleitete - menschenleere Landschaften und dann immer wieder einen Blick auf den Gletschersee Pukaki, dessen blau-türkise Farbe kaum zu beschreiben ist. Ein Foto ist nur ein Versuch, dem nahe zu kommen… Wir konnten es kaum glauben, irgendwelche Menschen haben wir im eiskalten Wasser baden sehen!? Aber es kann einen auch beim Anblick des Wasser der Übermut befallen… Ich ziehe einen Pullover vor, da der Wind doch recht kühl ist.
Den Endpunkt entlang des Sees erreichend, haben wir einen Wanderweg in Richtung Berge begonnen und den in Aussicht gestellten Kea Point auch erreicht - einen Wanderweg, der mich in mancher Hinsicht an Mallorca-Wanderungen erinnerte. Ich bin so glücklich, diesen Teil der Südinsel sonnig gesehen zu haben. Morgen geht es dann wieder Richtung Ostküste nach Dunedin. Und leider sieht der Wetterbericht für die folgenden Tage mal wieder nicht so vielversprechend aus!

Auf unserer Rückfahrt haben wir versucht, noch einen Stern-Guck-Platz im Observatorium zu erhalten. Leider war schon alles ausgebucht - kein Wunder bei dem Himmel! Also werden wir bei einem Glas Wein - so gut es geht - in die Sterne schauen… Einen Sternenplan haben wir von unserem Vermieter bereits erhalten.

Inzwischen sind wir am südlichsten Punkt unserer Reise angelangt - im Catlin Forest (The Catlins) - in dem kleinen Flecken Papatowei. Ganzjährig leben hier 30 Familien, in den Ferienzeiten einige mehr. Genau genommen sind wir wenige Kilometer entfernt von dem Punkt, wo die Distanz zum Äquator ca. 5.140 km beträgt und zum Südpol ca. 4.803 km. Aber auch diese Position stimmt nur, wenn man die vorgelagerte Insel Stewart Island (Rakiura) nicht berücksichtigt. Kurz und gut: Wir befinden uns in einer wunderbar einsamen, von Regenwald bedeckten Küstenregion, „wo der Wald ins Meer stürzt“ - so die touristische Propaganda. Das bedeutet für das praktische Leben aber auch: Wasser nur aus dem Tank, Abwässer - so gut geklärt wie möglich - ab ins Meer und keine Müllabfuhr. Und das Erstaunliche ist: Ich habe noch keine Abfälle entdeckt - weder in der freien Natur noch auf den Strassen! Die nächste Mülldeponie, wohin wir unseren Abfall bringen, befindet sich an einem einige Kilometer entfernten Campingplatz. Die Menschen müssen sehr diszipliniert ein!

Es heisst, in dieser Gegend regnet es an zwei von drei Tagen. Und da wir als Engel reisen, haben wir heute den ersten Regentag nach drei wunderbar sonnigen Tagen. (Irgendwie ist auch hier der Wetterbericht ungenau.) Die sonnigen Tage haben wir reichlich zu Ausflügen und Spaziergängen genutzt, und heute treten wir mal etwas kürzer…

Grosses Glück haben wir wieder einmal mit unseren Gastgebern Mary und Fergus, siebzigjährige Menschen, die seit fünfzig Jahren hier leben. Am gemeinsamen Frühstückstisch sind gute Gespräche inclusive. Der Bedrohung durch Erdbeben ist die einfache Bauweise der Häuser geschuldet. Unsere Unterkunft liegt direkt dort, wo der Fluss ins Meer übergeht. Die Infrastruktur für Wanderer ist hervorragend - selbst in den Wäldern findet man bestens ausgewiesene Wanderwege.

Von den Catlins ging es quer über die Insel in Richtung Westen in die Fjordlands nach Te Anau. Von dort aus hat man Zugang vor allem zum Doubtful Sound, einem Fjord, der so benannt wurde, weil Captain Cook bei seiner Entdeckungsreise nicht recht wusste, ob er aus der Meeresschlucht mit seinem Segelboot auch wieder heraus kommt ins offene Meer, die Tasman Sea. Er hatte also Zweifel, Doubts...
Wir hatten auch Bedenken, aber mehr der Wetterbedingungen wegen. In anderen Worten: Es goss vom Himmel. Dennoch sind wir über den Lake Te Anau ca. 45 Minuten mit dem Schiff an eine Küste gefahren worden, von wo aus wir dann mit dem Bus über einen Pass verfrachtet wurden (weit und breit kaum Sicht), um dann schliesslich die faszinierende Schiffsreise durch den Doubtful Sound zu machen - hin und zurück durch den langen Fjord. Rechts und links überall in den Fjord stürzende Wasserfälle… Selbst an solch einem regenreichen und nebligen Tag, ist die Landschaft unbeschreiblich schön. Gebirge, meistens bewaldet, auf die noch nie ein Mensch einen Fuss gesetzt hat. Kaum eine Fotografie kann diese Eindrücke wiedergeben…

Interessant fand ich die Information, dass die Wasserfälle mit ihrem Schmelz- bzw. Regenwasser ein 40 Meter tiefes Reservoir im Fjord bilden, das sich nicht mit dem darunter befindenden Salzwasser der See verbindet und daher Tier- und Pflanzenwelt ganz besondere Lebensbedingungen bietet - für viele ungewöhnliche Arten. Der folgende Tag überraschte uns mit allerschönstem Sonnenwetter - ideal für einen Flug über die Gletscherwelt im Fiordland. So dachten wir - stellten dann aber fest, dass alle Flüge ausgebucht waren -

Beim anschliessenden schlendernden Spaziergang entdeckte ich am Ufer des Te Anau-Sees ein kleines, altes Motorboot mit Segelaufbau. Zunächst war es für mich nur ein Fotomotiv, doch dann entdeckte ich Menschen darauf und einen in Marine-Uniform gekleideten Kapitän. Es stellte sich heraus, dass zwei sehr attraktive (very handsome) Kapitäne, ca. 70 und 35 Jahre alt, gerade eine kleine Gruppe von Touristen auf den See schippern wollten. In letzter Minute haben wir dann noch angeheuert und keine einzige Minute unseres unerwarteten Ausflugs bereut. Es war eine absolute Luxusfahrt mit einer achtköpfigen Gruppe (viele Amis), die bei Kaffee- Tee- Wein- und Bier-Service und einem kredenzten Snack schnell zueinander fand. In einem entlegenen Seitenarm des Sees sind wir dann mit dem älteren unserer Kapitäne an Land zu einem Ausflug gegangen, wo er uns kenntnisreich Flora und Fauna erklärte (inzwischen war er mit breitem Lederkrempenhut und Stock zum Wanderführer mutiert).

Gegen Ende unseres spontanen Boots-Ausflugs wurden noch die Segel gesetzt und der Jüngere der Kapitäne gab eine Dudelsack-Performance unter dem aufgeblähten Segeln - charmant, kurios, aber sehr nett!

Und endlich klappte auch unser Flugabenteuer. Strömender Regen am Morgen, und mittags kam dann der Anruf, dass die kleine Propellermaschine doch noch starten kann - Ziel sollte eine Milford Sound Schiffsfahrt sein - dieses Mal aber bitte im Sonnenschein. Ich versuche es abzukürzen: Es war grandios! Wir erreichten Milford, wurden aber sogleich von unserem Piloten aufgeklärt, dass aus der Fjordfahrt nichts wird, da Wetterverschlechterung in Sicht sei… Also ging es nach einer Dreiviertelstunde wieder zurück zum Flughafen nach Wanaka. Meine Leidenschaft für’s Fliegen in kleinen Flugzeugen, wo jede Windböe einen Holper verursacht, hat nicht zugenommen…
Aber: Ich möchte dieses Abenteuer nicht vermissen - Sicht auf die gesamte Berg- und Gletscherwelt von oben! Mit dieser Blechkiste haben wir uns in die Gletscherwelt getraut, mit einem jungen Piloten von dem ich vermutete, dass er noch keinen Führerschein hatte. Er flog aber sehr souverän und gelassen.

Zwischen den Aufenthalten in Tutukaka und Manataka hatte uns die Reiseplanung von Travel Essence an die Westküste der Nordinsel nach Omapere verschlagen. Auf dem Weg dorthin hatte Martin mal wieder eine von uns besonders gemochte Nebenstrasse ausgesucht. Dieser Umweg (der eigentlich eine Abkürzung sein sollte) bestand ausschliesslich aus ca. 45 km Schotterweg, teilweise durch dichte Kauri-Wälder und 4 oder 5 Gehöfte, die in dieser Einsamkeit lagen. Während der gesamten Strecke begegnete uns - uns entgegenkommend - EIN grosser Camper. Wir hofften nur auf unser Glück, diese Strecke ohne Reifenpanne zurücklegen zu können.
In Omapere, an der Hokianga-Bucht - an der unsere Unterkunft lag, gab es riesige Sanddünen, auf denen man (bei gutem Wetter) rodeln kann…! Leider erlebten wir die Gegend bei überwiegend grauem Himmel. Was uns bei folgender Unternehmung nicht störte...

Von Omapere aus haben wir uns einer geführten Nachtwanderung durch den Waipouna Forest angeschlossen.

Tagsüber strömen wohl Touristenmassen durch den Kauri-Wald. Wir hatten das Glück abends fast allein zu sein. Neuseeland war ursprünglich von Kauribäumen bedeckt. Übrig geblieben davon sind zwei Prozent in ganz Neuseeland, die geschützt sind. Unser Ziel war unter anderem den "Gott des Waldes“, Tane Mahuta zu besichtigen - ein Jahrtausende alter Waldriese von unvorstellbaren Ausmaßen - 51 Meter hoch und mit 14 Metern Umfang - für die Maoris hoch spirituell. Ich glaube, wir haben an diesem stillen und nachtdunklen Abend etwas Besonderes erlebt…

Es folgte eine reizvolle Fahrt - wiederum von Westen in Richtung Ostküste - nach Manataka und anschließend nach Auckland.

Wir haben diese ein wenig aufwändige Reise jedenfalls nicht einen Moment bereut und fühlen uns sehr bereichert. Ein Dank gilt auch Travel Essence mit Sebastian Moser und Julia Fritsche, die uns entscheidend bei unserer Planung behilflich waren und uns sogar während der Reise mit Wetterwarnungen per Email begleitet haben.

Vielleicht noch einen Gedanken über die Art zu reisen. Sicherlich haben Wohnmobil-Fahrten einen großen Reiz mit ihrer Ortsungebundenheit. Für uns, aber vor allem für mich, war der Kontakt zu den Menschen, die dort leben, wichtig. Auch wenn es „nur“ und meistens Vermieter waren…
Wir haben unterschiedlichste Wohnsituationen erleben können - von komfortablen Unterkünften bis zu einfachsten sogenannten Baches...

Beim Wohnmobil-Leben trifft man naturgemäß auf andere Touristen, da „wildes“ Campen meistens verboten ist. Überall stehen Warnschilder an oft wunderschön gelegenen Parkplätzen. Aber auch das ist sicherlich eine Geschmacks- bzw. Erfahrungssache, wie man ein Land kennenlernen möchte.

Harriet und Martin