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Christchurch Restart

Christchurch - eine Stadt im Umbruch

05 Juli 2016

Im Jahr 2011 erlebte Christchurch den bislang bittersten Schicksalsschlag: In nur wenigen Minuten des 22. Februars wurden die Grundfesten gemächlichen Lebens vernichtet: Ein Erdbeben zerstörte nahezu die komplette Innenstadt inklusive Kanalisation, machte 50.000 Menschen arbeits- und ein Drittel der Bewohner von Christchurch obdachlos. Zwei Jahre lang riegelte das Militär das Stadtzentrum ab und erklärte es zur „Red Zone“. In Quake City zeigt das Canterbury Museum Ihnen alles Wissenswerte über dieses prägende Ereignis. Aber Christchurch ist nicht wegen seines harten Schicksals sehenswert. 

Heute, fünf Jahre nach dem Beben, stellt man bei einem Besuch Christchurchs fest, dass die verheerenden Folgen immer noch allgegenwärtig sind, aber auch, dass die Katastrophe dem neuseeländischen Ideenreichtum seither zu ungeahnter Blüte verhalf. Lokale Unternehmer und die Regierung arbeiten unermüdlich daran, der Stadt wieder Leben einzuhauchen. Halbjährlich wird die Bevölkerung nach dem „wellbeing index“ (Wohlfühlfaktor) befragt. Erste Initiativen sind bereits umgesetzt, vereinzelte Bauprojekte beendet worden. Im öffentlichen Raum wird herzerfrischend improvisiert. Lassen Sie sich beispielsweise von ungewöhnlichen Einsatzmöglichkeiten herkömmlichen Kartons überraschen. 

Christchurch erfindet sich seit dem Erdbeben neu

Der Wiederaufbau ist dringend und spornt gerade deshalb zu Konzentration auf das Wesentliche sowie zu erhöhter Kreativität an. Zwischen Kränen, Absperrzäunen, kunstvollen Graffiti und Pop-up-Cafés, oft begleitet durch den Lärm von Presslufthämmern, blitzen noch Häuserfronten aus dem 19. Jahrhundert im viktorianischen Stil auf. Diese Fassaden auf der High Street werden überwiegend durch Container und Eisenträger gestützt. 

Bis 2019 soll „The Christchurch Central Recovery Plan“ umgesetzt worden sein. Die Devise: die lebenswerteste Stadt der Welt zu gestalten. Ein moderner Busterminal wurde bereits im Rekordtempo gebaut. Mit dem Margaret Mahy Playground kann Christchurch heute mit dem wohl größten Abenteuerspielplatz der südlichen Hemisphäre punkten. Ein Innovationsviertel in der Nähe der Fachhochschulen, ein Bühnenviertel und ein zukunftsorientiertes Convention Center entstehen derzeit. Unterdessen fordert die Stadt weiter Straßenkünstler auf, Graffiti zu sprühen.

Seit der Katastrophe sind die Menschen näher zusammen gerückt. Zuerst halfen sie sich gegenseitig, um bestmöglich ohne Telefon, Strom und sauberes Wasser auszukommen. Nun improvisieren sie voller Einfallsreichtum in ein neues Lebensgefühl hinein. Brett, der in Taupo lebt, aber häufig seinen Zwillingsbruder in Christchurch besucht, schwärmt: „Jedes Jahr bewundere ich immer mehr den Mut und die Entschlossenheit der Menschen in Christchurch, die ihre Stadt unter einer Vielzahl von Herausforderungen wieder aufbauen. Ihre Widerstandsfähigkeit, ihr Kampfgeist ist lebendig und wohlauf und die Menschen machen mit ihrem Leben unbeirrt weiter.“ 

Wie Christchurch mit kreativen „Lückenfüllern“ improvisiert

Pioniere dieser ideenreichen Lebenskultur sind die sogenannten Gap-Filler („Lückenfüller“). Sie rufen jeden dazu auf, die Lücken, die das Beben hinterlassen hat, temporär mit kreativen Aktionen zu füllen. Dank ihres Einsatzes gleicht Christchurch einem Überraschungsparcours, der einlädt zu entdecken, zu erleben und sich auszutauschen. Schon an der nächsten Straßenecke könnten Sie auf Hochbeete für Blumen und Gemüse treffen, Minigolf spielen, an der freien Luft, auf Paletten sitzend, Filme, Shows und Konzerte genießen oder ein paar Münzen in den Dance’o’mat werfen: Wenn Sie Ihr Handy an die alte Waschmaschine anschließen, können Sie eine halbe Stunde unter Scheinwerfern tanzen - ein Erlebnis, das sich sogar Prinz Charles und Camilla nicht entgehen ließen. 

Wo Sie schon einmal im Überraschungsmodus sind: Wie wäre es mit einem überdimensionalen „Adventskalender“? Wenn die Re:Start Container Mall morgens öffnet, verwandelt sich der vornehmliche farbenfrohe Containerhafen in eine Shopping-Area mit Geschenkeläden, Modeboutiquen, Cafés und Streetfood-Angeboten. Weiterschlendern können Sie in der New Regent Street, deren bunte Häuser aus den 1930ern restauriert wurden. Im Neugotik-Bau des Arts Center entdecken Sie schließlich dank einer unabhängigen Wohltätigkeitsorganisation einen Ort für Kunst, Kultur, Bildung und Kreativität. 

Christchurch begreift seinen Verlust als Chance

Durch das Erdbeben ist ein neues Lebensgefühl entstanden, das sich auf zwischenmenschlicher Ebene, aber auch im Stadtbild bemerkbar macht. Sowohl die restaurierte historische Straßenbahn als auch der Christchurch Marathon führen nun durch das Stadtzentrum. Die Christchurch Art Gallery Te Puna o Waiwhetu zeigt heute ihre Schätze als eines der erdbebensichersten Kunstmuseen der Welt. Auch das Isaac Theatre Royal von 1908 konnte wiedereröffnet werden. Im Fluss Avon schwimmen wieder Fische und von einem der traditionellen Stake-Boote können Sie die üppige Vegetation und die Uferpromenade auf sich wirken lassen. Und wo wurde nun der Karton eingesetzt? Als vorübergehenden Ersatzbau für die ehemalige Kathedrale (ChristChurch Cathedral) ließ der japanische Architekt Shigeru Ban eine "Papp-Kirche" erbauen. Die weltweit einzigartige Cardboard Cathedral besteht aus Stahlträgern, Holz und 24 Meter langen Kartonröhren!

Die Narbe, die das Erdbeben verursacht hat, wird nie verschwinden. Aber sie heilt und erinnert daran, was wirklich wichtig ist im Leben. Christchurch kann sie zurecht stolz tragen und lädt seine Besucher ein, mit ihm aufzuleben. 

Anke Ernst für TravelEssence

Besuch von Christchurch und Umgebung

Christchurch eignet sich hervorragend als Startpunkt Ihrer Neuseelandreise. Um die Stadt und die Umgebung zu erkunden, empfehlen wir Ihnen in der Region mindestens 2-3 Übernachtungen einzuplanen, z.B. im Seatonwood oder in der Quickenberry Lodge.